Einblick in veränderte Lernwelten

07.04.2020

Auch für die Lehrpersonen in der Primarschule, im Kindergarten und in der Logopädie hat sich durch das Virus alles schlagartig verändert. Neue Lehrformen mussten gefunden, neue Kommunikationsmöglichkeiten ausprobiert oder Materialtransporte organisiert werden.

Manuela Graf unterrichtet eine 3. Klasse im Schulhaus Weiermatten. Während der Home-Office Zeit startet sie ihren Arbeitstag etwas später als gewohnt. Sie schaltet jeweils um 8.30 Uhr ihr Schulhandy ein und beantwortet Fragen oder reagiert auf Nachrichten der Eltern und Kinder. Sie findet es schön, mit freudigen Botschaften in den Tag zu starten. Dies macht sie am liebsten bei einer Tasse heissen Kaffees. Für sie ist der Kontakt zu den Schülerinnen, Schülern und Eltern sehr wichtig und wertvoll. Der gestaltet sich im Vergleich zu den normalen Umständen intensiver, da er viel Präsenz und Klarheit erfordert. Man kann nicht einfach auf etwas zeigen oder vormachen. Ein Beispiel: Wenn es beim Kopfrechnen mal knifflig wird, fehlen die anschaulichen Materialien, um einen Rechenweg zu visualisieren. Sie versucht mit eigenen Videos zu helfen und zu erklären. Zudem sei es spannend zu sehen wie sich die Kreativität und Selbstständigkeit der Kinder weiterentwickelt. Denn natürlich können auch sie ihren Hobbies nicht wie gewohnt nachgehen oder draussen spielen. Die gezielte Auseinandersetzung mit Online-Tools und Plattformen ist ein positiver Nebeneffekt, um die Kinder bei Laune zu halten. Dies dient dazu, das Lernen spannend und abwechslungsreich zu gestalten. Hier gilt es, die Balance zwischen digital und analog zu finden. Sie findet diese Situation spannend und dennoch ziemlich herausfordernd.

Nathalie Schorr leitet den logopädischen Dienst Reinach. Sie lebt in Deutschland. Die meiste Zeit arbeitet sie im Homeoffice, aber 1-2 mal pro Woche geht sie in ihren Therapieraum im Schulhaus Aumatten. Am 16. März hat sich ihr Leben sehr stark verändert. Die Schulen (in der sie arbeitet und die, die ihre neunjährigen Zwillinge besuchen) wurden geschlossen, es war auf einen Schlag sehr vieles – sowohl beruflich als auch privat – zu koordinieren und alle mussten zunächst in die neue Rolle finden. Die Grenzgängersituation hat in den ersten beiden Wochen viel Zeit und Nerven gekostet und es standen auch viele Gespräche via Zoom, Telefonat, E-Mail oder so an. Das logopädische Team arbeitet sehr gut und eng zusammen, auch in dieser aussergewöhnlichen Situation. Sie haben den Eltern Therapiematerial und Unterstützung angeboten, die allerdings in der ersten, schwierigen Zeit nur teilweise in Anspruch genommen wurden.
Ihre eigenen Kinder müssen 3-4 Stunden pro Tag zu Hause beschult werden, zum Glück besuchen sie die gleiche Klasse und die Eltern müssen sich somit nur mit einem Lernstoff beschäftigen. Beim Homeschooling findet sie eine klare Struktur (Arbeiten von 8-12 Uhr) und Rituale (Pausen, Snacks, Lernspiele) sehr wichtig und auch etwas Humor (ihr Mann und sie schlüpfen in dieser Zeit in die „Lehrerrolle“, unter anderen Namen).
Ihre grösste Sorge gilt den emotional- und schulschwachen Kindern. Sie befürchtet, dass die Schere zwischen guten und schlechten Schülerinnen und Schülern sehr stark auseinandergehen und diese Zeit bei vielen Kindern psychische Folgen hinterlassen wird.

Mariella Rossetto unterrichtet im Schulhaus Bachmatten 2. Wenn um 6.50 Uhr ihr Wecker klingelt, wäre sie normalerweise schon auf dem Weg zur Schule. Gegen 8 Uhr startet sie ihren Laptop, der zu ihrem engsten Begleiter geworden ist. Zunächst liest sie ihre Mails. Von denen bekommt man momentan ja nicht gerade wenig, sagt sie. Neue Infos der Schulleitung, schulhausinterne Organisationsaufgaben, Fragen von Eltern und Kindern; alles wird abgearbeitet und beantwortet. Ausserdem gilt natürlich: stets im Austausch mit der Stellenpartnerin bleiben.
Anschliessend wird ein Lernvideo erstellt. Damit versucht sie, die Inhalte verständlicher vermitteln zu können. Als es vor rund drei Wochen hiess, die Schulen müssen geschlossen werden, mussten die Lehrpersonen schnell reagieren. Wie vermitteln sie den Inhalt, ohne vor der Klasse zu stehen und zusammen mit den Kindern alles zu erarbeiten? Wie helfen sie bei Verständnisproblemen, wie fördern und wie unterstützen sie? Und wie kommt das Arbeitsmaterial von der Schule zu den Kindern nach Hause? Auf diese Fragen mussten sie gemeinsam und doch jeder für sich Antworten finden. Ihre Lösung war ganz 21. Jahrhundert-like eine Klassenwebseite. Nach einigen Stunden Arbeit war die Webseite in ihren Grundzügen fertig. Darauf zu finden sind Wochenpläne und Arbeitsblätter, die von den Lehrpersonen hochgeladen und von den Kindern oder deren Eltern heruntergeladen und ausgedruckt werden können, sowie die Lösungen zu allen Aufgaben. Passwortgeschützt, versteht sich. Somit konnte das Materialproblem einigermassen gelöst werden, auch wenn sie, wie viele andere Lehrpersonen, Postbote spielen und die Zuhause der Kinder mit ihrem Material im Gepäck abklappern musste. Ein eigenes Klassenforum dient dem Austausch zwischen den Schülerinnen und Schülern untereinander und auch mit ihr. Oft schreiben sie, sie vermissen die Schule oder es sei ihnen langweilig. Um der Langeweile entgegenzuwirken und die Nerven der Eltern zu schonen, wurde auf der neuen Website zusätzlich ein Bereich zur Unterhaltung eingerichtet. Verschiedene Links zu Kochrezepten, Quiz oder Bastelideen sollen den Kindern Ideen bieten, sich zu Hause zu beschäftigen.
Zwischen Lernvideo, Planungen, Mails und Essen klingelt immer wieder mal das Handy. Ein kurzes Gespräch mit der Lehrerkollegin einer anderen Gemeinde, ein Update der Stellenpartnerin, eine Frage einer Schülerin, ein SMS oder eine WhatsApp Nachricht von gestressten Eltern, die nach Rat fragen. Die Zeit vergeht wie im Fluge, unter dem Strich sind ihre Arbeitstage länger als sonst.
Pünktlich um 15.45 Uhr treffen sich die Lehrpersonen im virtuellen Lehrerzimmer. Mit Hilfe einer "Zoom"-Konferenz findet regelmässig ein Austausch von Befindlichkeit, Fernunterrichtsideen und Organisatorischem statt. So wird auch für die Zukunft geplant. Die Frage, wann der Unterricht und unser aller Leben wieder normal weitergehen, beschäftigt sie sehr. Einen guten Start für den Fernunterricht und den Lernfortschritt der Schülerinnen und Schüler haben sie hingelegt, denkt sie. Grundlagen aufgebaut. Gemeinsam. Sie sind gewappnet für alles, was noch kommen mag. Und hoffen gleichzeitig das Beste.

Evelyn Häner unterrichtet im Kindergarten Weiermatten. Die Umstellung war auch für sie einschneidend. Inzwischen werden die Aufgabenstellungen per WhatsApp, Mail und Post verschickt und auch Geschichten, Lieder und andere Spielideen an die Eltern versandt. Die Arbeitsaufträge zusammenstellen, das Material versandfertig machen und sich mit dem Team absprechen geht auch von zu Hause aus. Zum Glück war ein Arbeitsplatz mit Computer sowie ein genügend grosser Tisch vorhanden, auf dem sie alles Material zusammenstellen kann. Weitere Ideen für die bisher ungewohnte Unterrichtsform spriessen reichlich. Allerdings muss zurzeit auch ihr achtmonatiges Baby zu Hause statt in der Bauernhof-KITA betreut werden und statt Lernziele zu definieren oder anderes für den Kindergarten zu erledigen verlangt die Kleine zwischendurch nach der Mutter. Das ist recht herausfordernd. Doch wenn dann eine Mutter ein Foto von ihrem strahlenden Kindergartenkind schickt, das zeigt, wie es die Aufgaben gemacht hat, kommt auch bei ihr Freude auf und der Fokus kann wieder auf den Kindergartenunterricht gelenkt werden.

Manuela Graf auf dem Weg zur Schule.
Manuela Graf auf dem Weg zur Schule.
Viel Bastelmaterial muss für die Kindergartenkinder von zu Hause aus zusammengestellt werden.
Viel Bastelmaterial muss für die Kindergartenkinder von zu Hause aus zusammengestellt werden.

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