Plötzlich ist alles anders

31.03.2020

Auch für die Gemeindeangestellten hat sich das Leben vom einen auf den andern Tag wegen der Coronakrise schlagartig geändert. Die meisten arbeiten von zu Hause aus, aber in ein paar Bereichen ist das schlicht nicht möglich. Ein Augenschein in veränderte Arbeitswelten.

Als am 27. Februar 2020 das Alarmaufgebot des Regionalen Führungsstabs Birs (RFS) kam, hat sich die Arbeitswelt von Christian Wildhaber, Leiter Schutz und Rettung, sehr stark verändert. Der RFS wurde umgehend vom Kantonalen Krisenstab (KKS) aufgeboten und konnte mit der vorsorglichen Planung in seiner Region starten und die Gemeinden bei der Umsetzung unterstützen. Diese Region umfasst die Gemeinden Aesch, Arlesheim, Duggingen, Grellingen, Pfeffingen und Reinach mit total 44'500 Einwohnerinnen und Einwohnern. Es stellten sich Fragen wie "Ist die Pandemieplanung in den Gemeinden aktuell?", "Wieviele Altersheime gibt es im Verbund und sind diese bereit?" und "Wie steht es mit der Spitex?". In der Gemeinde Reinach wurde sofort ein Pandemieteam, wie in der Planung vorgesehen, zusammengestellt und die Aufgaben verteilt. Dieses muss stets auf dem neusten Stand sein und wissen, welche Verordnungen und Weisungen der Bund, welche der Kanton herausgegeben hat und welche Auswirkungen diese auf die Gemeinde, auf die Bevölkerung und die Verwaltung haben. Selbstverständlich konnte vieles nicht während der sonst üblichen Arbeitszeit bewältigt werden. Persönlich findet er es aber auch eine spannende Zeit, die getragen wird von viel Verständnis und gegenseitiger Unterstützung.

Philipp Bringold, Leiter Informatik, musste mit seinem Team innert kürzester Zeit die Serverkapazitäten ausbauen, damit mehr Leute im Homeoffice arbeiten können. Zudem sollten sie ein neues System aufbauen, das es erlaubt, den PC aus dem Büro nach Hause zu nehmen und so Zugriff auf die nötigen Programme und Dateien zu haben. Auch wurde ein Kommunikationssystem eingerichtet, damit fortan Online-Sitzungen von überall her möglich wurden. Mit einem Schlag arbeiteten er und sein Team dafür viele zusätzliche Stunden am Tag, um dies zu ermöglichen. Immerhin änderte sich beim Support nichts, da dieser schon vorher über den elektronischen Weg funktionierte. Rund 80% der Arbeiten kann die IT über Fernzugriff erledigen. Aber auch für ihn persönlich hat sich einiges geändert. Im Sommer wird er pensioniert und gehört schon aus Altersgründen zu den Risikogruppen. Er hat sich daher ein Büro in seinem Gästezimmer eingerichtet, geht aber 2-3 mal pro Woche ins Gemeindehaus, um zwingende Tätigkeiten vor Ort zu erledigen. Seine sozialen Kontakte pflegt er via Chat, Telefon oder mit einem Videokonferenzsystem, aber die direkten Kontakte vor Ort fehlen ihm. Seine letzten Monate vor der Pension hat er sich gründlich anders vorgestellt. Immerhin: Dem Familienhund gefällt es, dass jetzt einer mehr zu Hause ist, den er meint beanspruchen zu können.

Nicole Wehrli Sarmiento, Mitarbeiterin Raumplanung, hat zwei Kinder zu Hause und auch ihr Mann ist im Homeoffice. Grundsätzlich ist sie froh, dass sie überhaupt zu Hause irgendwie weiterarbeiten kann. Für sie ist die grösste Herausforderung nicht das Homeoffice an sich, sondern dass jetzt ein Kindergartenkind und ein Primarschulkind AUCH den ganzen Tag zu Hause sind. Die Grosse macht sich Sorgen ums Urgrossmami und kann nicht schlafen, vermisst ihre Freunde, hat bald alle Bücher ausgelesen und findet Matheaufgaben mit Mama noch blöder als in der Schule. Die Kleine vermisst den Kindergarten, braucht viel Gesellschaft und kann schlicht und einfach nicht mehrere Stunden am Stück alleine für sich ruhig Büechli anschauen. Beide sollten Bewegung haben und an die frische Luft können, sie brauchen mehr Zuneigung und Aufmerksamkeit als normalerweise, weil sie ja auch mitkriegen, dass etwas nicht stimmt. Aufgaben müssen betreut und korrigiert werden. Es braucht Znüni und Zmittag und Zvieri und das Spielen, Basteln, Singen, Freunde, Kindergärtnerin, Tanzkurs, Schwimmkurs, Grosseltern, Gotte, Götti usw. muss nun durch die Eltern irgendwie ersetzt werden – während diese notabene gleichzeitig konzentriert arbeiten sollten, das Telefon beim Partner geschäftlich nonstop klingelt, die Druckerpatrone leer ist und der Laptop neben dem Homeoffice auch noch fürs Homeschooling gebraucht würde. Das Ganze kostet viel Zeit, Geduld, Energie und Nerven und über Kommentare, dass man jetzt halt endlich mal ein bisschen entschleunigt, kann sie deshalb nur lachen. Bei ihr ist zurzeit mehr Action denn je. Struktur heisst für sie jetzt: früh aufstehen und spät ins Bett gehen und dann arbeiten, wenn die Kinder entweder schlafen oder die Grosseltern per Face Time Geschichten vorlesen oder es gerade sonst keine Tränen gibt. Die Teamsitzung halten sie per Skype ab, für sie war es gut, wieder einmal das ganze Team zu sehen und zu hören, ob es allen gut geht. Da es aber mit anderen Gemeinden, Planungsbüros etc. keine Sitzungen mehr gibt, sind lange Telefongespräche nötig. So kann für sie die Arbeit momentan trotz allem gut weiterlaufen.

Andrea Rentsch, Leiterin Steuern, arbeitet mit ihrem Team weitgehend im Gemeindehaus. Die Steuerunterlagen der Bevölkerungs sind an sich sehr papierlastig und natürlich streng datengeschützt. Allerdings wurden die Zweier- und Dreierbüros aufgelöst und die Mitarbeitenden in zurzeit leer stehende Büros verschoben. In der Steueradministration ist um diese Jahreszeit ohnehin immer viel los, wenn die Leute ihre Steuererklärungen einreichen, das Team dort arbeitet aber momentan zeitverschoben, damit immer nur zwei Personen gleichzeitig im Büro sind und die Abstände gut eingehalten werden können. Die Kommunikation im Team findet in diesen Tagen vor allem per E-Mail statt und sollten Sitzungen notwendig sein, finden diese im Gemeindesaal statt, wo genügend Abstand eingehalten werden kann. Kundenkontakte sind zurzeit nur per Mail oder Telefon möglich, im Gemeindehaus empfangen wird niemand. Und was auch in normalen Zeiten fürs Steuerteam manchmal fordernd ist, das gilt jetzt erst recht: Fast niemand zahlt mit Freude Steuern und die Rückfragen sind jetzt manchmal noch bissiger. In der jetzigen Zeit ist der Kundenkontakt sehr anspruchsvoll, weil viele Leute durch die angespannte Lage oder auch ihre persönliche Situation genervt sind.

Lesen Sie nächste Woche: Wie hat sich die Situation für die Reinacher Schulen verändert?

Zurzeit arbeiten viele daheim (Symbolbild).
Zurzeit arbeiten viele daheim (Symbolbild).

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