Arbeitskonflikt führte zu Wahrnehmungsfilter

28.06.2018

Der Expertenbericht der Projektgruppe «Proficio» kommt zum Schluss, dass durch einen lange anhaltenden Arbeitskonflikt am Asylzentrum der Gemeinde ein «Wahrnehmungsfilter» entstand, durch den die Verantwortlichen die Meldungen über Missstände durch eine Asylbetreuerin nicht mehr objektiv wahrnahmen.

Der Arbeitskonflikt geht auf eine längere Abwesenheit der Mitarbeiterin am Arbeitsplatz zurück. Mit ihrer Rückkehr hatte sich ein Konflikt über längere Zeit aufgeladen, bei dem es um Fragen von Arbeitspensen, Wertschätzung, insbesondere aber auch sehr unterschiedliche Betreuungsverständnisse im Asylzentrum ging.
Die Verantwortlichen hatten den Konflikt zwar erkannt, ihn aber nie konsequent genau angegangen und aufgearbeitet. Der Konflikt schwelte deshalb über mehr als zwei Jahre.

Als die Mitarbeiterin im Juni 2016 auf gravierende Missstände aufmerksam machte, waren die Vorgesetzten so in einem Konflikt-Wahrnehmungsmuster gefangen, dass es ihnen nicht gelang, die erhobenen Vorwürfe vorurteilsfrei und objektiv abzuklären. Als die Vorwürfe in der Folge in den Medien publiziert wurden, fiel der Verdacht der Indiskretion auf die Mitarbeiterin, im Mai 2017 wurde sie deshalb schliesslich freigestellt.

Das Recht, auf Missstände hinzuweisen

In der rechtlichen Würdigung hält der Bericht fest, dass der Mitarbeiterin das Recht zustand, Missstände zu melden. Die Gemeinde hatte die Abmahnung zwar auch mit anderen Verhaltensweisen der Mitarbeiterin begründet, dann aber auch wieder mit ihrem Verhalten rund um die Meldung der Missstände verknüpft. Dieses Vorgehen wird im Bericht kritisiert. Bei der Freistellung der Mitarbeiterin im Mai 2017 hätte die Gemeinde zudem ohne Belege angenommen, die Indiskretionen gegenüber der Zeitung seien von der Mitarbeiterin oder ihrem Anwalt ausgegangen, welche dies in der Folge allerdings bestritten.

Der Bericht nennt drei mögliche Varianten des weiteren Vorgehens: eine Weiterbeschäftigung der Mitarbeiterin im Asylzentrum bei gleichzeitiger Verstärkung der Führung, eine Versetzung an eine andere Stelle innerhalb der Gemeindeverwaltung oder eine Trennung. Alle drei Varianten bergen gemäss Bericht Chancen und Risiken, deshalb wird im Bericht keine favorisiert. Bei allen drei Varianten nennt der Bericht allerdings die Voraussetzungen, die aus Sicht der Experten nötig sind, um sie erfolgreich umzusetzen.

Entlastung für die Gemeinde bei Anzeigepflicht und Austrittsvereinbarung
In den Medien wurde der Gemeinde vorgeworfen, sie hätte die Vorwürfe möglicher Straftaten im Asylzentrum, insbesondere solcher sexueller Handlungen mit Abhängigen, nicht rechtzeitig zur Anzeige gebracht. Der Bericht hält dazu fest, dass die Verantwortlichen die Gemeindepolizei sehr wohl schon zu einem frühen Zeitpunkt – nämlich bereits im August 2016 – informiert hatten und ihnen damit keine Pflichtverletzung vorgeworfen werden kann.

Entlastet wird die Gemeinde auch hinblicklich der Verhandlungen über eine Austrittsvereinbarung im Sommer 2017. Das Angebot der Gemeinde sei fair und branchenüblich ausgefallen. Die Gemeinde war damals kritisiert worden, sie wolle die Mitarbeiterin mit Geld zum Schweigen bringen.

Kommunikation nicht konsistent

Bezüglich der Kommunikation durch die Gemeinde hält der Bericht zunächst fest, dass die Gemeinde anfänglich von der Recherche eines Medienschaffenden überrascht und auf dem falschen Fuss erwischt worden war. Die Kommunikation war in der Folge inkonsistent: Phasenweise und in Bezug auf die später freigestellte Mitarbeiterin erfolge eine (zu) offensive Informationspolitik, bei anderen Aspekten der Thematik schwieg die Gemeinde. Der Wahrnehmungsfilter prägte auch die Öffentlichkeitsarbeit. Der Bericht empfiehlt der Gemeinde, entweder im Bereich Krisenkommunikation eigenes Know-How aufzubauen oder dann zu einem früheren Zeitpunkt externes Fachwissen einzuholen.

Hintergrund zum Bericht
Der Gemeinderat Reinach hat von einem Expertenbericht unter der Leitung von Alt-Kantonsgerichtspräsident Peter Meier Kenntnis genommen, der die Vorfälle rund um das Asylzentrum aufgearbeitet und entsprechende Empfehlungen ausgearbeitet hat.
Der Bericht ist in die drei Teilberichte Führung, Recht und Kommunikation unterteilt. In jedem Themenbereich wurden über die verschiedenen Konfliktphasen zunächst der Sachverhalt aufgearbeitet, dann die Arbeit der Involvierten gewürdigt und schliesslich Empfehlungen ausgesprochen.
Eine Kurzfassung des Berichts zuhanden des Einwohnerrates und der Öffentlichkeit hat der Gemeinderat am Dienstag verabschiedet. Der vollständige Bericht umfasst die Namen aller Involvierter und besondere Personendaten und wird deshalb aus Datenschutz-, Persönlichkeitsschutzgründen und aufgrund des Amtsgeheimnisses einzig der Geschäfts- und Rechnungsprüfungskommission der Gemeinde in personalisierten Exemplaren abgegeben.

Gemeinde Reinach
Hauptstrasse 10
4153 Reinach
Tel. 061 511 60 00
info(at)reinach-bl.ch

Öffnungszeiten Stadtbüro
Mo, Di und Do: 8.30-11.30 und 13.30-16 Uhr
Mi: 8.30-11.30 und 13.30-18 Uhr
(während den Schulferien bis 16 Uhr)
Fr: 8.30 bis 14 Uhr durchgehend
sowie nach Vereinbarung

Abteilungen
Montag bis Freitag 8.30-11.30 Uhr 
sowie nach Vereinbarung

Details zu den Öffnungszeiten

Kinderfreundliche Gemeinde Logo
Energie Stadt Reinach BL Logo

© Gemeinde Reinach 2019

 

Hinweis zur Verwendung von Cookies. Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Durch die weitere Nutzung der Webseite stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen hierzu erhalten Sie in unseren Datenschutzinformationen.